Lokreport

02.03.2007

52-Jährige als Verantwortliche für Bombenattrappen gefasst

Insgesamt elf Bombenattrappen wurden seit August 2006 in Zügen und an Bahnhöfen gefunden. Nun ist die Täterin gefasst.


Insgesamt elf Bombenattrappen wurden seit August in Zügen und Bahnhöfen der Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) und der Deutschen Bahn platziert. Nun ist der Täter gefasst. Die 52-jährige Heide L. wurde am Freitag verhaftet und befindet sich nun in Untersuchungshaft. Die Staatsanwaltschaft plädiert für eine mehrjährige Gefängnisstrafe. Ferner stehen Schadensersatzforderungen von 250.000 Euro zur Debatte.

Heide L. hat alles gestanden, dabei aber keinerlei Reue gezeigt. Sie wollte, dass die Deutschen mit derselben Angst konfrontiert werden wie die Menschen in Kriegsgebieten des Nahen Ostens. Verraten hat sich die linksradikale Frau schließlich durch ihre eigenen Briefe.

Insgesamt elf Bombenattrappen hatte sie gebastelt und in verschiedenen Zügen und an Bahnhöfen platziert. Dazu angeregt worden war sie durch zwei von Islamisten deponierten, aber glücklicherweise nicht explodierten Kofferbomben in Dortmund und Koblenz im Sommer 2006.

Gebastelt hatte die nach Polizeiangaben extrem antiamerikanisch eingestellte Frau die Bombenattrappen aus Alltagsgegenständen in ihrer im Münchner Westen liegenden Wohnung: Verwendet wurden Wecker, Ölflaschen, Knetmasse, Mehl und elektrische Einzelteile.

Die erste Attrappe deponierte sie am 25. August 2006 im IC 328 von Mittenwald nach Dortmund in einer blauen Nylontasche in der Toilette. Bei Aschaffenburg fiel die mit einer Flasche und einem Handy bestückte Tasche einem Angestellten auf. Wie sich später herausstellte, handelte es sich um Kinderspielzeug.
Die zweite Attrappe stellte sie gleich am nächsten Tag, dem 26. August, am Moosacher S-Bahnsteig ab. Diesmal handelte es sich um eine Tüte mit brauner Apothekerflasche, Wasserlösung und Kabeln.
Sechs Tage später, am 1. September, war es dann eine grüne Stofftasche mit grauem PVC-Rohr, weißem Pulver und elektrischen Bauteilen, die sie im Fernzug IC 328 deponierte. Entdeckt wurde die Attrappe bei Otting/Weilheim.
Am 6. September wurde in Pasing ein schwarzer Beutel mit gelbem Pulver in der S8 gefunden.
Am 27. Oktober platzierte sie eine aus blauen Motorölflaschen bestehende Attrappe in einem ICE nach Ulm. Von da an fügte sie ihren Bombenattrappen Schreiben bei, in denen sie die Nahostpolitik der USA und Israels kritisierte.
Die sechste Attrappe deponierte die Linksextremistin am 4. November wieder in einer S 8. In diesem Fall handelte es sich um eine verkabelte Motorölflasche, die erst stundenlang unterwegs war bevor sie von Sprengstoffexperten aus dem Zug entfernt wurde.
Am 10. Dezember legte sie eine Tasche mit brauner Knetmasse und Kabeln in einen Zug von München über Augsburg nach Frankfurt. Diese wurde erst auf der Rückfahrt als sich der Zug schon bei Stuttgart befand entdeckt. Damit war die Attrappe gut zehn Stunden unterwegs. Am 15. Dezember legte Heide L. die Attrappe erneut in einer S 8 ab. Die mit Kabeln bestückte blau-gelbe Kinderthermoskanne wurde in Ismaning von einem Fahrgast auf den Bahnsteig gestellt. Am 13. Januar fand man eine karierte Plastiktüte mit Kinderthermoskanne und Kabeln in der U2 in Giesing. Diese wurde erst von einem Fahrgast zum Schaffner, dann zum nächsten Schaffner und schließlich zur Polizei weitergereicht. Abgesehen von der Gefahr, die bei einer echten Bombe von der Tüte ausgegangen wäre, war diese Vorgehensweise auch bzgl. der Spurensicherung nicht gerade von Vorteil. Andere Finder beförderten die Attrappen einfach kurzerhand durch das Zugfenster nach draußen. Am 9. Februar legte Heide L. eine Plastiktüte mit weißer Knetmasse in eine S1. Ihre letzte Attrappe bestehend aus Rucksack und blauer Thermoskanne stellte sie am 13. Februar wieder in eine S8. Die Polizei fand sie am Bahndamm in Buchenau. Wieder hatte ein Fahrgast die Attrappe aus dem Zug befördert.

All diese Attrappen hatten kostenintensive Polizeieinsätze, Streckensperrungen und teilweise sogar Evakuierungen von Häusern zur Folge. Außerdem beschmierte Heide L. noch U-Bahnen, Haltestellen und Trambahnen mit meist antiamerikanischen Parolen. Die Briefe, die sie an die US-Außenministerin Condoleezza Rice und die Nato-Schule in Oberammergau sowie weitere Adressen verschickte, verrieten sie schließlich. Alle Schreiben trugen als Absender ihren richtigen Namen. Einige davon wurden zum Kommissariat für Linksextremismus weitergeleitet und dort ausgewertet. Bei den teilweise englisch gehaltenen Briefen wurden die Ermittler immer wieder auf dieselben Fehler in Diktion und Satzbau aufmerksam. Diese Fehler traten auch bei den Schreiben auf, die sie den Bombenattrappen beigefügt hatte. Am Freitag stand die Polizei daraufhin mit einem Haftbefehl vor der Türe von Heide L. An fünf der Attrappen hatte man trotz der Vorsichtsmaßnahmen der linksradikalen Frau - sie trug beim Basteln Handschuhe und reinigte alles mit Desinfektionsmittel - DNS-Spuren gefunden. Ein Abgleich beim Landeskriminalamt bestätigte, dass Heide L. mit den Attrappen hantiert hatte.

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