Lokreport

07.03.2008

Polizei und Fahrgäste danken cleverem Zeugen

Robert Kopp, Polizeivizepräsident von München, und Andreas Nagel, Sprecher der Aktion Münchner Fahrgäste, dankten Krunoslav M. für sein vorbildliches Verhalten. Von der Polizei erhielt er 300 Euro, die Fahrgäste schenkten ihm ein Buch über die Münchner U-Bahn. Kopp ist sehr froh darüber, dass der Betrieb von Mobiltelefonen bald auch in der Münchner U-Bahn möglich sein wird. Oberbürgermeister Ude hatte diese Entscheidung gegen den heftigen Widerstand der Verkehrsbetriebe getroffen. Nagel dankte auch der Münchner Polizei, die ja unter nicht immer leichten Umständen für die Sicherheit sorgen muss. Er erwartet, dass die U-Bahn in München ein sicheres Verkehrsmittel bleibt. 'Das schnelle Ergreifen von Tätern sollte eine Mahnung an alle sein,' meinte Nagel.

Andreas Nagel, Polizeivizepräsident Robert Kopp,<br>Krunuslav M. und der Leiter der Mordkommision Andreas Nagel, Polizeivizepräsident Robert Kopp,
Krunuslav M. und der Leiter der Mordkommision
Bild: Aktion Münchner Fahrgäste

Am Mittwoch, den 13.02.2008, stieg ein 26-jähriger Student aus München gegen 07:45 Uhr, an der Haltestelle Sendlinger Tor in die U 1 Richtung Hauptbahnhof. In dem voll besetzten Zug war neben einem 64-jährigen Obdachlosen noch ein Sitzplatz frei, auf dem dieser jedoch seinen Rucksack abgestellt hatte. Trotzdem zwängte sich der Student auf die restliche schmale Sitzfläche, was wiederum den Unmut des Rucksackbesitzers erregte. Er forderte den Studenten auf, sich nicht so „herzuquetschen', sonst würde er ihn erschießen, da er eine Waffe bei sich habe.

Als der Zug gleich darauf an der Haltestelle Hauptbahnhof anhielt, bespuckte der Obdachlose den 26-Jährigen und stieg daraufhin aus. Der Student folgte nun dem älteren Mann, um ihn zur Rede zu stellen. Auf der U-Bahnrolltreppe drehte sich der 64-Jährige plötzlich und unvermittelt um und vollzog eine wuchtige, kreisförmige Schnittbewegung mit einem Taschenmesser in Richtung Kopf des unter ihm stehenden Studenten. Dabei durchtrennte er dessen rechte Gesichtshälfte fast vollständig und schlitzte ihm die Wange vom Mundwinkel bis zum Ohr auf. Anschließend flüchtete er zum S-Bahnhof und fuhr mit der S 4 in Richtung Ebersberg.

Die sofort eingeleitete Fahndung führte dank des besonnenen Verhaltens des Zeugen Krunoslav M. zur raschen Festnahme des Täters noch am S-Bahnhof Isartorplatz. Der Zeuge hatte den Vorfall beobachtet und war dem Täter in sicherem Abstand bis in die S-Bahn gefolgt. Über Notruf und über Handy hielt er Kontakt mit der Polizei und konnte den Mann nach Eintreffen der Polizisten schließlich zeigen. Die Tatwaffe, ein Schweizer Taschenmesser, hatte er noch immer bei sich.

Der Student musste in eine Klinik eingeliefert werden und wurde sofort operiert.

Der obdachlose Messerstecher gab in seiner Vernehmung unumwunden zu, dass er sich nur auf diese Art und Weise Respekt verschaffen könne. Aufgrund der unkontrollierten Messerführung ist davon auszugehen, dass der Mann auch schwerwiegendere bzw. sogar tödliche Verletzungen in Kauf genommen hätte. Diese wären z.B. zu erwarten gewesen, wenn das Opfer nur wenige Zentimeter tiefer am Hals getroffen worden wäre. Deshalb stufte die Staatsanwaltschaft München I den Sachverhalt als ein versuchtes Tötungsdelikt ein. Ein Haftbefehl gegen den Messerstecher erging am darauffolgenden Tag. Der 67-Jährige war nicht alkoholisiert und war polizeilich bislang noch nicht in Erscheinung getreten.

Ohne die beherzte, intuitiv richtige Entscheidung des Zeugen Krunoslav M. den Täter zu verfolgen und die Polizei über Handy zu verständigen, wäre eine Festnahme des wohnsitzlosen Messerstechers nur schwer möglich gewesen. Im morgendlichen Berufsverkehr hätte der Täter schnell unerkannt flüchten können.

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